Mein Paradies …

. . . so lautete der Buchtitel von Heinz Erven – ein Buch, das ich nun ausmustere. Es trägt im Innenumschlag eine Original-Unterschrift mit Datum 28.2.85.

Heinz Erven war Diplom-Landwirt aber noch sehr viel mehr. Und mit dem Zitat von Bernhard von Clairvaux eingangs des Buches stimme ich voll überein

„Umfassenderes lernst Du von den Wäldern als in Büchern.
Holz und Steine lehren Dich, wa Du von den Professoren nicht
hören kannst.“

Genau mein Reden – zu viele Bücher verwirren nur und halten vom Handeln ab! Dies wird oft mißverstanden, als sei man gegen Bücher. Keineswegs, das ist nicht der Fall, aber gegen ein Zuviel an Büchern. Denn für Land- und Gartenbau reichen wenige Werke, oft sogar auch ältere, die bereits im Regal stehen! Aber dann könnten die Eitelkeiten der Schreiberlinge von heute ja nicht bedient werden, wenn keiner deren bunte computererstellte Werke kaufen würde, gell! Learning by doing ist immer noch die beste Methode, denn theoretisches Wissen reicht bei der praktischen Arbeit in der Natur keineswegs aus. Außerdem bleibt vielen die Zeit auch nicht, all die Besitztümer, die sich in den Regalen häufen, gründlich zu studieren, es sei denn, man übt schon einen entsprechenden Beruf aus, während dessen Ausbildung die Standardwerke gelesen wurden. Es geht eher um Besitz-Lust wie in allen Bereichen – ob in der Mode oder im Dekobereich … diese vielen schönen bunten Cover mit den reißerischen Titeln preisen eben immer immer neuen tolle Inhalte an, die so neu aber gar nicht sind!

Heinz Erven verdankte obigen Spruch einem Professor, der seinerzeit Direkter des Instituts für Pflanzenkrankheiten an der Universität Bonn war.
Der 1993 verstorbene Heinz Erven betrachtete Universitäten und Wissenschaft zwar als „Diener an der Menschheit“ genauso wie Bauer und Gärtner dies auch sind, für ihn hatten die Wissenschaften jedoch da ihre Grenze, wo sie aufhören, sich an den Naturgesetzen als oberster Richtschnur zu orientieren. Vor allem darf Wissenschaft Natur nicht verändern wollen oder sich gar über sie erheben.

Und noch ein Spruch, zu sehen auf einer Tafel an einem Konglomerat-Gesteinsblock, von denen er Tausende aus seinem Boden entfernen mußte, möchte ich hier verewigen, denn nichts ist wahrer als das! Gärtnern ohne Arbeit und Anstrengung gibt es nicht. Wer das behauptet, gärtnert nicht wirklich! Ich selbst kann da auch nicht so ganz mitreden, denn ich gärtnere nicht im Sinne von Heinz Erven, was ich jedoch bewundere! Er hielt sogar Hühner, um seinen eigenen Dünger zu haben!

Vor den Lohn
hat Gott
den Schweiss gesetzt

Wegen seiner Regenwurm-Kultur wurde Heinz Erven außerdem weithin bekannt. Er hielt sehr viel vom sog. Tennessee-Wiggler, den er sich damals aus den USA per Luftpost kommen ließ. 😉

All das, was man heute weiß, wurde großteils von Leuten wie Heinz Erven abgeschaut und abgeschrieben, wenn auch nicht dem Wortlaut nach. Dies ist der Lauf der Welt, jeder braucht am Anfang Lehrer und Schüler geben – in modifizierter Form – das weiter, was sie von ihren Lehrern mitgenommen haben. Denn so sehr viel Neues gibt es im Bereich Garten ja nun wirklich nicht mehr! Wenn man sich auch vieles ausdenken kann (was nicht zwingend notwendig wäre) und natürlich ist z.B. zeitentsprechende Garten-Deko neu oder Ideen wie ein Feng Shui Garten bei uns oder diese unsäglichen Schottergärten (Gärten des Grauens) all das stellt auch niemand in Abrede, dennoch berührt dies nicht das WESENTLICHE Gartenwissen, um das es mir persönlich geht. Der Umgang mit Garten, vor allem Obst und Gemüse, das Wissen darüber, war schon in meiner Kindheit nicht viel anders als heute – einzig das Wissen und Wollen des Einzelnen war – genau wie heute entscheidend!

So wußte Heinz Erven auch, wie ein wilder Boden in einem Jahr zum Gartenland gerät und noch vieles mehr. Irgendwo – ob im Buch, weiß ich jetzt nicht mehr, las ich sogar von seiner raschen Genesung nach einem schweren Unfall nur durch die Ernährung mit Möhren, die die Kallusbildung des Knochens förderten.

Immer mehr Krokusse erscheinen …


Ein Selbstversorgerdasein auf einem so großen Areal wäre nie mein erstrebenswertes Ziel gewesen! Das überlasse ich gerne anderen, dafür geeigneteren, ja ich wage zu behaupten, dafür geborenen Persönlichkeiten! Sowas gibts! Auch wenn man sowas in Zeiten des Genderwahns ja kaum noch ansprechen darf! Traurig auch, wenn Kritiker gleich in die rechte Ecke gestellt werden!

Ich hab’s jedenfalls mehr mit Ziergärten, wild-romantischen …. 😀

Auf der einen Seite der Frühling, auf der anderen die Vergänglichkeit . . . so filigran …

Das Buch enthält zudem viel interessantes Wissen über die damalige Zeit, so bspw. über die Höchstmengen-Verordnung für Pflanzenschutzmittel vom 1. Januar 1978, nach der mehr als 290 toxische Substanzen zugelassen waren!Ich habe eben nicht den direkten Vergleich zu heute, doch meines Wissens gab es eine Zeit, in der wesentlich mehr mit (vor allem stärkeren!) Giften in der Landwirtschaft und privaten Gärten hantiert wurde als heute! Selbst vor dem hoch- und kontaktgiftigen E 605 schreckten sogar Kleingärtner nicht zurück!

Anhand der Statistik auf dieser Seite hat sich seit dem Jahr 2000 die Anzahl zwar verringert, stieg jedoch seit 2010 wieder an.
Waren es im Jahr 2000 1.130 Mittel, 2009 dann „nur“ noch 629 um im Jahr 2017 auf 818 anzusteigen.

Wer sich die Zeit nehmen kann, kann das gerne mit der Auswahl für den ökologischen Landbau in dieser aktuellen Tabelle vergleichen.

Sogar der eine oder andere Pilz lugt aus dem Boden … bei so viel Holz im Garten kein Wunder … feucht ist es auch ausreichend, ja sogar matschig inzwischen! –

Was ist nun aus dem „Paradies“ von Remagen geworden?

Das ist unter dem Link zu lesen. Der neue Besitzer pflegt die alten Streuobstwiesen auch weiterhin und sicherlich noch manches andere mehr – denn das Remagener „Paradies“ soll, so ist man sich einig, erhalten bleiben.

Ich habe das Buch gelesen und werde jetzt nicht mehr zum Selbstversorger mutieren, es ist aber ganz sicher interessant für jüngere Leute, die diese Art des Lebens vorhaben oder vielleicht schon ein Stück weit leben. Daher verlässt es jetzt meinen Bestand. Falls jemand Interesse hat, gerne melden. Die Bücher werden auch hier angeboten, jedoch nicht immer mit der Original-Unterschrift.

Dekoriert habe ich diesen Post noch mit Bildern aus meinem Garten …
Seltsamerweise blieben die Gläschen mit den künstlichen Blüten im Baum hängen – trotz des starken Sturmes! Mal schauen, was morgen im Garten los ist!

Der Todestag …

Zwei Jahre sind nun schon wieder seit dem Tod meiner Mutter vergangen …
Es ist manchmal nicht zu fassen, wie schnell die Zeit vergeht! 😦

Die Sonne schien am Todestag – die Krokusse blühten

Als ich an ihrem Todestag auf dem Friedhof war, schien die Sonne und die Krokusse reckten sich auch dort ihren wärmenden Strahlen entgegen.

Antike Grabmale

Ich liebe diese schönen alten Grabmale – auf einigen stehen kleine Ruhebänke … wie weit hat die Menschheit sich doch von ihren Ursprüngen entfernt! Wie oft kommt das Argument Geld aufs Tapet! Doch hatten die Leute früherer Zeiten MEHR GELD? Das Gegenteil ist oft der Fall! Für etwas, wofür man GERNE Geld ausgeben will, hat man es auch übrig, nicht wahr!

Wer gestaltet heute noch in dieser Form seine Grabstätte? Natürlich – zu teuer – wie könnte es auch anders sein! 😉 Das XXL-Auto dagegen ist nicht zu teuer, auch die Fernreisen nicht, das viel zu große Haus für nur 2 Personen und die vielen Klamotten, die im Grunde überflüssig sind, denn die Kleiderschränke der Nation sind übervoll, wie wir inzwischen wissen … eine Gesellschaft, in der der Verstorbene nicht mehr wirklich gewürdigt wird, womit der Mensch sich letztendlich ins eigene Fleisch schneidet … denn eine anonyme Bestattung stellt sich oftmals im Nachhinein als großer Fehler heraus, weil ein ‚greifbarer‘ Ort, den man in Andacht besuchen kann, fehlt. Dies ersetzt auch nicht der Schrein mit der Asche zuhause auf dem Buffet (was hier bei uns wohl auch verboten ist) oder gar den „Diamanten“ der überall hinpasst, der hierzulande wohl auch nicht gestattet ist. Ja – und sowas gibts wirklich, die „Diamant-Bestattung“ – da kann man sich seinen Verstorbenen gleich um den Hals hängen. 😈

Braucht’s ein Grab zum Trauern?

Natürlich spielen bei der Grabwahl und Aufstellung von Grabmalen die geltenden Vorschriften eine Rolle.

Das Verstreuen der Asche auf Asche-Streu-Wiesen finde ich eine wirklich gruselige Vorstellung! Das entspricht in etwa dem, was man im Alten Testament „einen Hund ‚begraben‘ nannte, der kein ordentliches Grab bekam sondern irgendwo verscharrt wurde oder dessen Überreste gleich die Geier fraßen.


Das Grab erfüllt eine wichtige Funktion, so wie es hier zu lesen steht, und auch Jesus Christus wurde so, wie er war, begraben!
Und im Judentum und Islam wie auch den orthodoxen Kirchen ist die Verbrennung des toten Körpers (Feuerbestattung) grundsätzlich verboten, was mir – obwohl ich entschiedene Christin bin – die beiden Religionen sympathisch macht! Hier wird der Tote noch geehrt – über den Tod hinaus und nicht einfach in einen Ofen geworfen. Die Asche, die da am Ende in die Urne gegeben wird, ist übrigens bei weitem nicht NUR die des Verstorbenen – viele Reste anderer Menschen werden mit der Asche desjenigen vermischt, so dass bestenfalls ein Mischmasch dabei herauskommt. Offiziell wird das natürlich abgestritten, ich weiß es aber von Insidern!
Ganz nüchtern denkende Kreaturen könnten nun meinen, was ist schon Asche … das Produkt eines chemischen Vorganges. Gut, so kann man das sehen – wie die Wissenschaft fast alles mit ihren dürftigen menschlichen Mitteln erklären kann, eben, weil sie über die menschlichen Grenzen geistig nun mal nicht hinauskommt … denn Physik und Chemie sind nur das, was der Mensch imstande ist zu erklären, nicht mehr, nicht weniger …zum Glück hat der Schöpfer da eine Grenze gesetzt!

Das Grab ist das erste und wohl älteste Bild des sicheren Ortes, an dem der Verstorbene bewahrt ist. Der Stein hat die Funktion des „Grabwächters”, er schützt die Unverletzlichkeit des besonderen Ortes und sichert mit seiner Schwere die Ruhe des Toten, der in diesem Grab schläft. (Zitat)

In meinem anderen Blog verlinkte ich bereits die Geschichte der Feuerbestattung. Inzwischen sind leider die Bräuche der ehemaligen DDR auch bei uns an der Tagesordnung. Nichts gegen die DDR, jedoch sollte jeder die Bestattungsform frei wählen dürfen, die ihm behagt!

Wenn ich mir mein Grab aussuchen könnte, was ich zumindest hoffe, würde ich mir einen grob behauenen bzw. Natur-Stein wünschen, der passt am besten zu meiner natürlichen ungeschliffenen Persönlichkeit. Darüber schrieb ich damals schon in meinem Zweit-Blog.

Immer wieder gibt es in letzter Zeit Veränderungen … die Orkane seit 2017 haben viel Schaden angerichtet, viele Bäume stehen nicht mehr. Bildlich dokumentierte ich das seinerzeit auf Instagram in einer kleinen Galerie. Es war DER Horror! Und auch kürzlich hat es wieder einige Bäume erwischt …

Hier eine kleine Galerie des Grauens aus 2017:

Ältere Posts zum Braunschweiger Hauptfriedhof finden sich in meinem alten Blog unter dem gleichnamigen Label.

Entsteht hier ein neues Grab-Feld?

Und am Ende landen sie da dann …. was aus ihnen wird, weiß nur der Wind …
Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich noch sehr jung war – in jenen Jahren wurden große wunderschöne Grabmale und Figuren, wie diese ehrwürdigen Engel käuflich angeboten. Für einige tausend D-Mark war man dabei … so mancher hat sich zu der Zeit wohl schon seine Grabstätte für später gesichert. 😉 Es gibt Menschen, für die ist es eine beruhigende Vorstellung, zu wissen, wohin sie einmal kommen … zumindest ihre sterbliche Hülle …
Wichtiger ist für mich persönlich freilich, wohin die Seele geht …


In Braunschweig lagern übrigens an anderen Stellen noch weitere historische Schätze, die auf Erlösung warten …

Blumen für die Mutti

Von Thorn nach Wiesenburg – der dritte Teil meiner Reise

Wie in Teil 2 meiner Reise nach Masuren schon geschrieben, fuhren wir von Toruń aus, wo wir zweimal übernachteten,  ca. 8 Kilometer zum ehemaligen Wiesenburg Krs.Thorn (heute Przysiek), um das große Gut, auf dem meine Mutter einst geboren wurde, zu besichtigen. Mein ältester Sohn war einige Zeit davor schon dort gewesen und von daher war uns bekannt, dass und wo genau dieses Gut existiert. Meine Mutter hatte zwar viel davon erzählt, aber wie das so ist – als ich ein junges Mädel war, waren das für mich „olle Kamellen“, da interessierte ich mich nicht sonderlich für die ewigen Wiederholungen längst vergangener Tage. Neues war viel interessanter! So wie es heute wohl den meisten jungen Leuten auch geht. Später waren andere Sachen wichtiger, vor allem meine drei Kinder und dann wurde meine Mutter alt und krank, da rückte auf einmal ihr früheres Leben wieder in den Fokus und ich begann, via Smartphone aufzuzeichnen, was meine Mutter über ihre Vergangenheit erzählte, so dass mir nun einige Sprachdateien zur Verfügung stehen, an denen ich mich entlang hangeln kann.  Sehr schöne Erinnerungen, denn heute bedaure ich es natürlich, mich früher nicht so sehr für die Geschichte meiner Eltern interessiert zu haben. Leider kommt diese Erkenntnis oft spät im Leben, ich höre es immer wieder von Leuten mit Kindern …

Thorn

Der Landkreis Thorn (bis 1900 Kreis Thorn) war ein von 1818 bis 1920 bestehender preußischer Landkreis im Regierungsbezirk Marienwerder. Von 1939 bis 1945 war er als Teil des im besetzten Polen errichteten Reichsgaus Danzig-Westpreußen nochmals eingerichtet. Quelle

Wir mußten also raus aus der Stadt … der Tag war ein wenig grau … ab und zu tröpfelte es …   Es war Mai, aber das Wetter kann man sich vorher leider nicht aussuchen. Direkt kalt war es zwar nicht, aber doch nicht so schön, wie man es sich für Mai vorstellt! Die Natur in Polen, insbesondere in Masuren, ist ca. 3 – 4 Wochen hinter der bei uns zurück!

Fast wie in manchen Gegenden bei uns …

Wiesenburg

Przysiek, das ehemalige Wiesenburg, ist ein Dorf im Landkreis Gmina Zławieś Wielka im Landkreis Toruń in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern im Norden Polens. Es liegt etwa 13 km südöstlich von Zławieś Wielka und 8 km westlich von Toruń. (aus Wikipedia)

Die Landschaft, durch die wir fuhren, erinnerte mich an die Schilderungen meiner Mutter, nur, WIE lange war das her, seit ihre kleinen Füße hier den Boden berührten???!!!???
Und WAS hatte sich seitdem alles verändert!
Es war keine allzu weite Fahrt und endlich kamen wir im ehemaligen Wiesenburg an.

Unser Sohn, der sich dort schon auskannte, steuerte einen Parkplatz an und von da aus waren es nur noch ein paar Schritte …. diesen Weg entlang …..

Und am Ende dieses Weges hinter dem Parkplatz ist schon rechts das Herrenhaus zu erkennen, in dem meine Mutti einst zur Welt kam! Von den Fotos meines Sohnes, die er mir per Messenger einige Monate zuvor geschickt hatte, wußte ich schon ungefähr, was mich erwarten würde … dennoch klopfte mein Herz …

Immer näher kamen wir unserem Ziel …

Auf dem Weg zum Gut überall Bäume mit unzähligen Misteln – hier habe ich die Exif-Daten absichtlich im Bild belassen, so lässt sich der Ort in Google-Maps nachverfolgen.
Dort wurde mir auch klar, warum meine Mutter immer so viel von Misteln erzählte. Bei uns gibt es bei weitem nicht so viele Misteln wie dort in Polen!  Und aus meiner Kindheit und frühen Jugend kenne ich Misteln überhaupt nicht! Die habe ich erst sehr viel später kennengelernt, als ich schon junge Mutter war!

Auf dem Weg zum Herrenhaus

Dem Gut nun ganz nah – das großartige Gutsgebäude läßt sich schon erkennen …

Weitere Ansichten zeigt diese kleine Galerie – bei Klick vergrößern sich die Fotos!

Mann und Sohn (die nicht erkannt werden wollen!) gehen den Weg voraus durch das Eingangstor … Die „Russen-Puppen“ finden sich im kostenlosen Bildbearbeitungsprogramm PhotoScape.

Auf dem Gelände kommen wir zunächst an einem Restaurant vorbei, das jedoch an dem Tag nicht geöffnet hat.

Über die Mauer und dem grünen Dickicht hinweg können wir nun schon einen ersten Blick auf das Herrenhaus werfen.

Und dann sehen wir auch die Tafel … ein paar Schritte noch …

Die Aufregung steigt … wenn das meine Mutter noch hätte erleben können! …

Ganz in der Nähe findet sich eine andere Tafel mit Übersetzungen auch in Deutsch und Englisch. Die Details zum Lesen habe ich wieder in die kleine Galerie unter dem Bild eingefügt.

Und dann stehen wir endlich vor dem Herrenhaus. In früherer Zeit hätte man es wohl als Palast empfunden. Doch so groß ist das Haus für ein solches Anwesen nun auch wieder nicht! Großbauern hatten auch hier in unserer Gegend ähnliche Bauern-„Schlösser“. Heute oft zu „klein“ für so viele Menschen, die zu der  Zeit darin gehaust haben! – In der Erinnerung meiner Mutter muß das Gut ein riesengroßes Areal gewesen sein. Es ist schon groß mit 6 Hektar, aber ich glaube, meiner Mutter, die dort nur ihre frühe Kindheit verbrachte, kam das Gelände weitaus größer vor.

Der umgebende Landschaftspark stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. 38 Baum-Arten sollen hier vertreten sein, auch viele exotische Exemplare, wie Roteiche, Douglasie … ob diese schon zur Zeit der Geburt meiner Mutter dort angepflanzt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf dem Gelände stehen auch 3 Eichen mit einem Umfang von 3 – 4 Metern, diese Naturdenkmäler werden allerdings schon in der Kindheit meiner Mutter dort gestanden haben.

Auch neben der Straße Thorn – Bromberg gibt es solch ein Baum-Denkmal – eine Eiche mit einem Umfang von 340 cm. Dort radelte meine Mutter einst entlang. Wenn ich mir das vorstelle …das klapprige Fahrrad, mit dem meine kleine Mutti die abschüssige Straße entlang fuhr, hatte keine Bremse, die Kette sprang häufig ab … Es kommen mir Namen wie Ellermühl und Schwarzbruch in den Sinn …  und in Bromberg besuchte sie den Konfirmandenunterricht, während sie in Schwarzbruch zur Schule ging.

Das Schulwesen in der Thorner Stadtniederung in der Zeit von 1614 – 1914

Nachdenklich lehne ich an einem dieser Bäume und hänge meinen Gedanken an meine verstorbene Mutter nach. Wie gerne wäre sie noch einmal im Leben hierher gekommen – oder war es doch besser, wenn es nur beim Träumen blieb? Schließlich hätte sie das Meiste doch nicht mehr wiedererkannt. Einiges war schlichtweg nicht mehr vorhanden, wie fast ein kompletter Ort oder ihre ehemalige Schule …. wie vom Erdboden wegradiert. Näheres erfuhren wir später noch in Thorn von einem Stadtkundigen.
So aber ging sie von dieser Welt mit dem „alten“ inneren Bild ihrer Heimat vor Augen … wer weiß, wofür es gut ist, wenn man manche Orte nicht noch einmal besucht …. für mich jedoch war es das erste Mal …

Das Herrenhaus aus einer anderen Perspektive…

Um die Ausmaße des Anwesens  zu veranschaulichen, habe ich ein Panoramabild aufgenommen. Natürlich gibt es nicht das gesamte Gelände wieder.

Nachdem wir das Herrenhaus und seine nähere Umgebung ausgiebig in Augenschein genommen hatten, wollten wir das übrige Gelände besichtigen.

Wir entdeckten einen kleinen Friedhof.

Hier fanden wir die Namen der letzten Besitzer – für die später in Deutschland Verstorbenen auch nur eine Gedenktafel. Immerhin …
Auf den Spuren der Vergangenheit – endlich angekommen …..

Kriegsopfer

Wer hier wohl noch Grablichter aufstellt? Dabei muß ich gerade an das Buch denken, welches mir kürzlich in die Hände fiel … ein absolut erschütterndes Zeugnis der Jüdin Eva Mozes KorIch habe den Todesengel überlebt“ (ich verlinke das Buch hier nur zu Anschauungszwecken, persönlich habe ich keinerlei finanziellen Nutzen davon!), die den Holocaust als Mengele-Opfer überlebte! Frau Mozes Kor verstarb im vergangenen Jahr. Ich habe leider erst jetzt von ihr gehört, wie gerne hätte ich persönlich mit ihr gesprochen!

Tribute to Eva Mozes Kor

Ich kann nur JEDEM dieses Buch und auch die YouTubeVideos ans Herz legen als Mahnung, wie schnell und heimtückisch schleichend sich unser Leben von einen auf den anderen Moment ändern kann. Ein unsagbarer Terror, der auch vor Vergehen an Kindern nicht zurückschreckt!

Aus welchem Grund mir gerade dieses Buch in den Sinn kam, dazu weiter unten …

Außerhalb der schmucken Einfriedungsmauer sah es schon ein wenig wilder aus.

Es gab auf diesem Grundstück sehr viele Taubnesseln, Brennesseln und Gundermann, doch den von meiner Mutter häufig erwähnten Wermut fanden wir hier nicht! Denn diesen  zusammen mit Brennesseln warf sie einst als kleines ca. 4jähriges Kind in den Brunnen dort und wurde dafür hart bestraft!

Hier wirkte die Einfriedung nicht mehr wie neu …

Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

Der kleine Bunker ließ mich erschaudern – die Szene erinnerte mich an den Zweiten Weltkrieg …. an die Zeit, als meine Mutter von dort flüchten mußte, fast noch ein Kind … und beinahe hätte sie eine Schiffspassage für die Gustloff erwischt, nachdem sie mit nicht mehr als ihrer Kleidung auf dem Leibe die zugefrorene Weichsel in einem Treck vieler anderer Menschen unter Lebensgefahr überquerte. Rechts und links blieb immer jemand zurück, Alte, die nicht mehr konnten, kleine Kinder, Gebärende … und nirgendwo war ein Notfallseelsorger, der diese Menschen betreute … auch später nicht!
Diese Generation hat vieles verdrängt, nie ausgesprochen oder konkret angesprochen … zu grauenvoll war das Erlebte!

Und an dieser Stelle hake ich wieder ein …. an das weiter oben erinnerte Buch der Eva Mozes Kor, die den „Todesengel“ Mengele als ein Opfer von  Zwillings-Versuchen überlebte. Fast ihre gesamte Familie wurde im KZ Auschwitz-Birkenau grausam umgebracht!

Denn über ihre Erlebnisse aus dieser Zeit sprach meine Mutter kaum, sie machte lediglich Andeutungen, wie übrigens auch der Rest unserer Familie. Zu grausam war das, was diese Menschen erlebten, schon als Kind mit ansehen und über sich ergehen lassen mußten!

Für die Gustloff gab es keine Schiffspassage mehr, doch was zunächst tragisch wirkte, entpuppte sich im Nachhinein bekanntlich als großes Glück!  Sie kam auf einem anderen Schiff unter, dass unter Beschuss dennoch den sicheren Hafen in Dänemark erreichte, wo die Flüchtlinge allerdings für 2 Jahre in ein Lager verbracht wurden, das sie nicht verlassen durften! Ob nach Aalborg oder Aarhus, weiß ich gerade nicht mehr genau.

Der Untergang der Gustloff

Meine Mutter hatte keine so guten Erinnerungen an Dänemark und daher Mühe, die heutige Begeisterung für das Land zu verstehen. Verstehen muß man aber auch diese Generation, die in der Situation eines Kindes oder Heranwachsenden Dinge erlebten, bei denen ihnen niemand half, diese zu verarbeiten. Denn ein deutsches Kind, wie meine Mutter hatte sich schließlich weder einen Hitler noch einen Holocaust gewünscht!!! Mußte aber auch die Folgen all dessen tragen. Zu solchen Dingen sind nur Menschen fähig!

Eva Mozes Kor gelang es, den Deutschen und ihren Peinigern zu vergeben, im eigenen Interesse, diese Größe und Kraft besitzt leider nicht jeder Mensch!

Die Danziger Bucht, von wo aus die Schiffe mit den Flüchtlingen ablegten, will ich in diesem Jahr noch besuchen. Letztes Jahr war uns dies nicht mehr möglich. Wir konnten nur den Danziger Hafen besichtigen, doch dazu in einem späteren Post dann mal wieder.

Einer dieser alten Bäume hier draußen – was mag er wohl alles mitangesehen haben … kam vielleicht meine Mutter hier vorbei und berührte als kleines Kind den Baumstamm ? ? ?

Die Natur holt sich manches zurück . . . und Graffiti scheint auch hier bekannt zu sein.

Spuren der Zivilisation … sieht aus wie Glas …

Außerhalb der Einfriedung ein nicht sehr ansehnlicher Schuppen oder Baracke …den Zweck konnten wir nicht erkennen … weit und breit war auch niemand, der uns Auskunft hätte geben können. Nicht, dass wir einen ungünstigen Tag erwischt hatten – unser Sohn war schon einmal dort und hatte ebenfalls Mühe, jemanden von der Caritas anzusprechen, in deren Besitz sich das Gut in Wiesenburg jetzt befindet. Scheinbar war man des Englischen nicht mächtig oder es war niemand anwesend.

Der Sohn und der Mann voraus durch Wege voller Pusteblumen … von denen hat die Mutti auch immer schon erzählt …

Ein letzter Blick zurück – nun hatten wir genug gesehen … ein paar Zapfen eingesteckt und mit heim genommen … als lebendiges Andenken von jenem Ort, an dem meine Mutter ihre Kindheit verbrachte.

Zurück nach Toruń

Wir kehrten zurück zum Auto und wollten auch noch ein paar Einkäufe für unsere Fahrt am nächsten Tag tätigen, die uns weiter Richtung Masuren führen würde.

Da hätte die Mutti gestaunt – diese Supermärkte gibt es heute einfach überall! Ich weiß noch genau, wie die ersten Supermärkte hier bei uns in Braunschweig entstanden, wobei der erste Supermarkt Deutschlands im Jahre 1957 in Köln-Ehrenfeld eröffnet wurde. War das ein seltsames Gefühl! Plötzlich mit einem Einkaufswagen durch die Gegend zu schieben, wie kam man sich denn da vor!

Tante-Emma-Läden und Wegwerf-Hygieneartikel

Gewiß war der Tante-Emma-Laden auch nicht das Wahre. Der feiste rotköpfige Kaufmann mit seinen ewig anzüglich-dummen Sprüchen! Und seine Frau bekam dann schon mal von einem Kind einen Tritt gegen das Schienbein. Wer lässt sich denn gerne immer beim Einkaufen mobben, hmm?
Wir haben jedenfalls nicht die besten Erinnerungen an diese Art der Läden und dennoch waren Supermärkte zunächst höchst ungewohnt!

Denn wer sollte damals schon so genau wissen, wenn eine Frau ihre Tage hatte und die obligatorischen Binden einkaufte. So mancher peinliche Blick fiel, und  wie oft wagten schüchterne Frauen nur „eins von ‚dem da hinten‘ “ beim Kaufmann im sog. Tante-Emma-Laden zu verlangen! Denn, was sollten sich die Leute nur denken! Wem kam schon der Name „Camelia“ über die Lippen … und dann noch vor dem Wutbolzen von rotköpfigem Kaufmann … der genüßlich vieles ins Lächerliche,  gar Perverse zog …

Tatsächlich werden erst seit den ausgehenden achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts Hygiene-Produkte hergestellt, deren Zweck von vornherein das Wegwerfen, insbesondere von Körperflüssigkeiten etc. ist. (Aus dem Buch „Die Konsumgesellschaft in Deutschland 1890-1990„)

Auch Klopapier zu kaufen, war zu der  Zeit noch peinlich. In der Türkei war das sogar noch schlimmer – sogar noch in den 80er Jahren . Eine gute deutsche! Freundin lebte 2 Jahre lang in der Türkei (weil sie mit einem Türken verheiratet war) und durfte sich kein Toilettenpapier von zuhause dorthin schicken lassen. Mit einem Trick schaffte sie es doch, denn sie ließ sich stattdessen Tempo-Taschentücher zusenden. Die Schwiegermutter und Tanten ahnten nichts Böses. 😯  😆

In diesem polnischen Supermarkt lerne ich auch twarog kennen, eine Art Polnischer Frischkäse oder Magerquark, so ähnlich wie Schichtkäse – aber doch noch anders … gibt es auch in Deutschland in polnischen oder russischen Läden. Ich habe ihn schätzen gelernt. Wir richten ihn mit Liebstöckel,  Zwiebel und leicht gesalzen an, eine  Delikatesse. Von Haus aus kannte ich nur Schnittlauch-Quark, den meine Mutter sehr gerne machte. Alles natürlich viel billiger als in Deutchland. Jedenfalls was Lebensmittel betrifft.

Wobei die Hygiene aus meiner heutigen Sicht durch das Abwaschen mit Wasser gründlicher ist als die mit trockenem Toilettenpapier! Zumal bei den heutigen Ernährungsgewohnheiten und dem damit verbundenen unnatürlichen Stuhl! Siehe Bristol-Skala! Der kerngesunde Mensch bräuchte also kein Klopapier! Denn sein Stuhl verlässt wohlgeformt und nicht schmierend den Körper. Ein Zustand, von dem die meisten von uns aufgrund ihrer falschen Ernährung nur träumen können!  Einen Wasserhahn IN der Kloschüssel finde ich allerdings auch nicht gerade appetitlich!

Würden Tiere im Zoo so ernährt werden, würden sie sehr rasch sterben. Nur der Mensch trickst die Natur aus, Säugetiere sind wir alle. Eigentlich seltsam, dass die Anhänger der Evolutionstheorie so sehr darauf bestehen, vom Affen abzustammen bzw. „gemeinsame Vorfahren“ gehabt zu haben, sich dann aber nicht an deren Ernährung halten! Mit zahlreichen krankhaften Folgeerscheinungen, wenn der krankhafte Zustand lange anhält – oder im stetigen Wechsel stattfindet. Eine ganze Pillen-Industrie lebt davon!

Nachmittags wieder zurück in Toruń gab es dieses hübsche Gebäck in der Altstadt an der Haupteinkaufsstraße. Eine Ausnahme für mich, zwar überwiegend aus Eiweiß, freilich auch mit Zucker … einmal werd ich’s schon überleben … es hatte jedenfalls keine unmittelbaren gravierenden Folgen. 😀

Weiter geht es dann das nächste Mal mit noch ein paar Ansichten aus Toruń und dann mal schauen, wie weit ich im nächsten Post dann komme … bis wir dann – endlich – in die Masuren gelangen …